Auch, wenn ich euch im letzten Artikel Übungen für zuhause beschrieben habe, so bleibt Improtheater doch etwas, dass man in einer Gruppe erleben muss. Das ist ein Schritt, den sicherlich einige noch scheuen. Darum möchte ich euch diesen Schrecken nehmen.
Heute geht es um die Vorteile und Möglichkeiten, die euch eine Gruppe bietet.

Warum sind Gruppen für das Improtheater also so unglaublich wichtig?

  • Eine Szene spielt sich schlecht allein
    Für die meisten Übungen braucht es zwei oder mehr Personen. Das liegt einfach daran, dass die Anwesenheit und auch die Aktion einer anderen Person euch dazu zwingt, zu improvisieren. Ihr könnt euch zwar etwas für die Szene zurechtlegen, aber wie der andere reagiert, das könnt ihr nicht wissen. Und genau darin liegt die Übung. Um euch souveräner zu machen, um euch die Angst vor dem Ungewissen zu nehmen. Ein weiterer Grund sind die Vorgaben, die Spieler im Improtheater erhalten. In einer Gruppe sind die Vorschläge vielfältiger. Natürlich ist auch das unbequem. Es ist möglich, dass euch die Vorgabe nicht zusagt. Damit werdet ihr aus eurer Komfort-Zone gelockt. Aber wenn ihr euch wirklich unwohl fühlt, dann müsst ihr es nur sagen. Das ist gar kein Problem. Wir erinnern uns: Eine der wichtigsten Regeln ist das Wohlfühlen! Übrigens: Natürlich kann es auch Szenen geben, für die es nur einen einzelnen Spieler braucht. Monologe zum Beispiel. Aber auch hier bietet die Gruppe einen ganz großen Vorteil: Das Feedback.
  • Feedback aus der Gruppe
    Es ist ein bisschen, wie mit Testlesern. Sobald ein Manuskript fertig ist, geht es (für gewöhnlich, irgendwann, sobald man sich traut) an andere Menschen, die es lesen und Rückmeldung geben. Auch im Impro gibt es dieses Feedback, man kann nur nicht erst ewig an der Geschichte arbeiten. Unvorstellbar? Ja, für mich auch. Keine Sorge. Aber wir wollen auch keine perfekte Geschichte sehen. Das kommt später auf dem Papier. Vielmehr hilft uns dieses Feedback zu erkennen, wie eine Szene auf andere wirken kann und wie wir damit spielen können.
  • Ideen überall
    Sicherlich habt ihr schon einmal mit anderen Autoren gesprochen. Die Ideen, die dort aufeinander treffen, verbinden sich und schaffen Kreativität. Und das ist wunderbar. Auch im Improtheater kommen Menschen zusammen, die vor Ideen nur so strotzen. Diese Energie wandeln wir in Spiele und Szenen um. Und mal ganz unter uns, es ist immer wieder bemerkenswert, sich im Nachhinein anzuhören, was andere über eine Szene gedacht haben. Nicht ob sie gut oder schlecht war. Solche Bewertungen sollte es nicht geben (natürlich gibt es sie manchmal doch), sondern welchen Hintergrund die Charaktere hatten, wie die Szene weitergehen könnte, was in der Geschichte schmerzlich vermisst wurde. Gedanken, auf die ein Einzelner vielleicht gar nicht gekommen wäre. Ich zumindest mache diese Erfahrung jede Woche in meinem Impro-Training.
  • Sich selbst betrügen: fällt in der Gruppe auf
    Wenn niemand hinsieht, dann merkt es auch keiner. Und die Komfort-Zone muss gar nicht erst verlassen werden. Sobald man allein ist, wächst die Chance, sich selbst zu belügen ungemein. Sind aber andere dabei, dann ist es etwas anderes. „Fehltritte“ werden gesehen. Und das ist gut so, denn danach kann man darüber reden. Man kann daraus lernen. Und noch etwas, das wir alleine nie herausfinden würden: Die falsche Wahrnehmung von uns selbst. Auch das müssen wir lernen – wie andere Menschen uns und das, was wir tun, wahrnehmen.
  • Spaß und Mut
    Zu guter Letzt wollen wir natürlich auch Spaß am Improtheater haben. Dabei ist es nicht grundlegend, dass eine Szene witzig ist. Auch spannende oder traurige Szenen fesseln den Rest der Gruppe. Wir lachen gemeinsam, wir weinen gemeinsam und vor allem: wir scheitern gemeinsam. Niemand wird allein gelassen. Die Gruppe fängt einen auf, sollte etwas schief gehen und wenn man das erst einmal begriffen hat, dann kommt der Mut wie von selbst. Im Spiel vergessen wir gerne mal unsere Ängste und tun es einfach. Wir verschwenden keinen Gedanken daran, ob etwas uns gut aussehen lässt, oder ob wir diesen Satz wirklich so sagen würden. Erst im Nachhinein. Aber dann ist da eine Gruppe und sie fängt genau diese Gedanken ab.

Impro ist ein Gruppensport. Aber einer der Spaß macht und bei dem man so einiges fürs Leben lernen kann.

Wenn ich euch noch immer nicht überzeugen konnte, oder es Punkte gibt, die euch verunsichern, dann schreibt mir gerne. Per Mail, oder auch hier in den Kommentaren. Denn auch ich kann Aspekte übersehen. Also wie fühlt ihr euch mit dem Gedanken daran?