Bereits am Montag habe ich davon geschrieben, dass einige von euch sich sicherlich einfach noch nicht so recht trauen, Impro in einer Gruppe auszuprobieren. Und das ist auch völlig okay so. Darum möchte ich euch im heutigen Artikel zwei Übungen für Zuhause mit auf den Weg geben. Außerdem könnt ihr euch gerne hier bei meinem Newsletter anmelden, für noch mehr Infos, wie ihr Impro und Autorenleben vereinen könnt.

Bevor ihr aber loslegt, möchte ich, dass euch eines klar ist: Ihr sollt euch wohlfühlen! Das ist eine der wichtigsten „Regeln“ im Improtheater. Wenn ihr also nicht wollt, dass euch jemand dabei sieht, wartet lieber, bis ihr allein zuhause seid, schließt die Tür ab oder sucht euch einen anderen ruhigen Ort.
Es ist auch nicht wichtig, dass ihr euch selbst dabei seht. Im Gegenteil, es könnte im ersten Moment sogar hinderlich sein. Dennoch empfehle ich irgendwann den Schritt vor den Spiegel, aber dazu später mehr.

Okay, kommen wir zu der Impro-Session für Zuhause. An Vorbereitung braucht es:

  1. So viel Platz wie möglich: Schiebe Tische und Stühle so gut es geht beiseite, damit du dich frei bewegen kannst.
  2. Bequeme Kleidung: Es muss keine Sportkleidung sein. Am besten etwas, worin du dich wohlfühlst.

 

Fertig? Gut, dann geht es jetzt los!  (Lies die Aufgaben kurz vorher am besten noch einmal durch, damit du nicht währenddessen auf den Bildschirm schauen musst)

Wir beginnen mit dem so genannten scene-painting. Hier geht es darum, eine Landschaft oder den Ort für eine Szene so ausführlich wie möglich zu beschreiben. Im Impro-Theater nutzt man diese Methode häufig, um einen Ort zu etablieren, an dessen Gegebenheiten sich die Spieler während einer Szene halten sollten.

  • Stell dich in den Raum, so dass du um dich herum genug Platz hast – die gesamte freie Fläche ist nun deine Bühne.
  • Such dir einen Ort aus, den du gerne beschreiben würdest. Das kann ein Ort aus deiner Geschichte sein, aber auch jeder andere. (Ich nehme zur weiteren Erläuterung einen Park)
  • Versuche, dir den Park noch nicht gleich vorstellen, sondern lass die Augen offen und entdecke ihn. Was siehst du direkt vor dir?
  • Beschreibe, was du um dich herum wahrnimmst. Stehst du vielleicht auf einer Wiese? Gibt es einen Teich? Gibt es eine Parkbank? Kannst du dich setzen oder sitzen dort schon Leute?
  • Bewege dich langsam über die Bühne und sage laut, was du siehst.
  • Merke dir, welche Gegebenheiten du wo platzierst. Wenn du einen Teich beschrieben hast, solltest du dort nicht mehr hintreten, sonst bekommst du nasse Füße.
  • Der Ort muss auch nicht alles vorweisen, was dir dazu einfällt. Nicht in jedem Park gibt es einen Teich. Und vor allem, wenn du eine kleine Bühne – also einen kleinen Park hast, wäre eine Bank und ein Mülleimer möglicherweise eher vorhanden.
  • Beziehe auch die Ferne mit ein. Was siehst du hinter dem Park? Hochhäuser? Eine kleine Wohnsiedlung?

Tipp: Je sicherer du dich fühlst, desto mehr Details kannst du einbauen. Beispielsweise die Farbe der Parkbank, oder ein kleines Graffiti darauf.

 

Nun noch eine Übung im Bereich Emotionen. Ich habe schon viele Namen dafür gehört, finde aber „Emotionsschritte“ am passendsten. Übungen wie diese werden vor allem in Intensiv-Trainings aufgegriffen, um einen Aspekt näher zu beleuchten und zu vertiefen.

  • Stell dich an das eine Ende deiner Bühne. Von hier aus musst du 5 Schritte machen. Teile es dir also ein, je nachdem wie viel Platz du hast.
  • Suche dir eine Emotion aus. Beginne am besten mit einer der Grundemotionen: Freude, Angst, Trauer, Überraschung, Wut, Ekel. (Natürlich kannst du diese Liste noch erweitern. Dennoch eignen sich diese 6 Emotionen für den Anfang am ehesten)
  • Schließe die Augen und lass dich auf die Emotion ein. Sie ist noch ganz schwach, aber du kannst sie bereits spüren. Wie fühlt es sich an? Was macht dein Körper? Deine Mimik? Gestik?
  • Mache jetzt den ersten Schritt nach vorne. Das Gefühl wird ein bisschen stärker.
    Wie fühlt es sich jetzt an?
  • Du kannst nun beliebig vor- und zurückgehen. Das Gefühl wird dann jeweils stärker oder schwächer. (Mache nicht mehr als 5 Schritte. Der 5. Schritt ist der Endpunkt, das Gefühl ist hier am stärksten) 
  • Lass dir bei den Schritten so viel Zeit, wie du brauchst. Du musst auch nicht alle 5 Schritte gehen, wenn es dir unangenehm wird.
  • Wenn du die Übung beenden willst, schüttel deinen Körper aus. Erst den Kopf, dann Arme, Beine und schließlich den gesamten Körper. (Gefühle und Rollen werden im Improtheater meist „abgeschüttelt“, damit man sie nicht mit zurück in seinen Alltag nimmt)

Tipp: Wenn du dich mutig genug  fühlst, versuche diese Übung später auch vor einem Spiegel aus. Hier ist es aber wichtig, dass du dich nicht an deiner Mimik und deiner Gestik arbeitest, sondern dich von deinem Gefühl leiten und deine Bewegungen auf dich wirken lässt.

 

Und das war es auch schon. Für den einen oder anderen mag das nach nicht viel aussehen, doch diese Übungen sind beliebig erweiterbar. Es gibt unendlich viele Orte für das scene-painting und auch die Emotionsschritte sind gar nicht so einfach, wie sie sich im ersten Moment vielleicht anhören.

Ich bin auch schon gespannt, ob einige von euch die Übungen ausprobieren werden. Gebt mir dann gerne Rückmeldung, wie ihr euch gefühlt habt und welche Probleme/Schwierigkeiten euch dabei aufgefallen sind. Traut euch auch, mich anzuschreiben, wenn ihr etwas nicht genau verstanden habt, oder eine Anweisung unklar ist.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Improvisieren!