Die gesamte Woche über habe ich mit meinen Artikeln versucht, euch offene Fragen zu beantworten. Ich wollte euch die Angst vor etwas Neuem nehmen und Mut machen, damit ihr über euch hinauswachsen könnt. Darum habe ich mir für den heutigen Beitrag ein ganz besonderes Thema aufgehoben.

Impro wird euch an eure Grenzen bringen!

Für einige mit Sicherheit ein unglaublich beängstigender Satz. Für andere möglicherweise eine Chance. Aber für alle ein wichtiger Aspekt, wenn man sich dem Improtheater stellen möchte. Ich möchte euch, was das angeht, nicht belügen. Diese Form des Theaters ist nicht immer heiter Sonnenschein und besteht nicht nur aus lustigen Szenen. In jedem Training liegt Arbeit. Ebenso, wie in jedem eurer Kapitel, Blog-Artikel oder anderen Dingen aus dem Autorenleben Arbeit steckt.
Aber ich möchte euch daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, mit dem Schreiben zu beginnen. Wie es sich angefühlt hat, das erste Mal aufgeben zu wollen. Und wie es sich angefühlt hat, als ihr dann doch weitergemacht habt.
Das Autorenleben bringt uns an unsere Grenzen. Aber dafür eröffnet es uns eine (fast) grenzenlose Welt.

So auch im Impro. Und hier wird es sogar noch deutlicher, denn im Theater gibt es vor allem eine Grenze: den Körper. Wir können natürlich unseren rechten Arm oben halten. Für eine Weile. So lange, bis uns die Kräfte verlassen. Dann kommen wir an unsere Grenzen.

Der wichtige Punkt ist aber, dass wir unsere körperliche Grenzen gar nicht versuchen müssen, zu überschreiten. Das kommt von ganz allein. Vielmehr ist es wichtig, die Grenzen unserer Fantasie zu erkennen und einzureißen. Dazu müssen wir alles zur Hilfe nehmen, was wir haben. Auch unseren Körper.

Übrigens: Auch Keith Johnstone (der Vater des Improtheaters) liebt das Schreiben. Doch bevor er die neue Form des Theaters für sich entdeckte, hatte auch er zu kämpfen. Vor allem mit dem, was Schule und Erziehung aus ihm gemacht hatten. Immer still sitzen, keinen Quatsch machen. Die Welt wurde schneller trist und grau, als ihm lieb war.

Ich vergaß, daß Inspiration nichts Intellektuelles ist und daß man nicht vollkommen sein muß. Am Ende widerstrebte es mir, überhaupt noch etwas zu versuchen aus Angst zu versagen, und die ersten Einfälle schienen mir nie gut genug. Alles mußte korrigiert und in Reih und Glied gebracht werden. – Keith Johnstone
(aus: Improvisation und Theater. Die Kunst spontan und kreativ zu agieren)

Mit Improtheater verfolgte er darum unter anderem diese Ziele:

  • zwischenmenschliche Fähigkeiten verbessern
  • das Entwickeln der Fähigkeit, Geschichten zu erzählen

Natürlich gab es da noch ein paar andere, aber was ich damit sagen möchte, ist: Impro wurde geschaffen, um gemeinsam Geschichten zu erzählen, zu erleben.